Motivational Interviewing ist ein zugleich direktives und patientenzentriertes Verfahren, das den gleichberechtigten Dialog über Veränderung in den Fokus des Gesprächs rückt. Um die Motivation des Patienten zu wecken, initiiert der Therapeut ein lautes Nachdenken über Veränderung – den so genannten change talk – und versucht darüber hinaus, sustain talk – ein Verharren im Status quo – abzuschwächen. Insbesondere »unmotivierte« Patienten scheinen von einer Behandlung, die den von Miller und Rollnick (2013) formulierten Prinzipien entspricht, zu profitieren.

 

Motivational Interviewing ist in vielerlei Hinsicht eine Weiterentwicklung klientenzentrierter Psychotherapie – Empathie wird als wesentliche Voraussetzung erfolgreicher Behandlung gesehen – und kann daher zu den humanistischen Verfahren gezählt werden. Insbesondere seit der Veröffentlichung der zweiten Auflage von Motivational Interviewing greifen die Autoren mehr und mehr die Ergebnisse psycholinguistischer Studien auf.

 

Miller und Rollnick unterscheiden vier aufeinander folgende therapeutische Prozesse (engaging, focusing, evoking, planning). Diese Prozesse korrespondieren mit spezifischen Aufgaben, die von Patient und Therapeut in einer bestimmten Phase der Therapie gemeinsam bewältigt werden müssen (die Anforderungen an den Therapeuten ergeben sich mehr oder weniger »natürlich« im Laufe der Therapie). Die Prozesse werden aber keinesfalls vollständig abgeschlossen – lediglich die Schwerpunkte werden anders gesetzt. So ist der Aufbau einer tragfähigen und vertrauensvollen Beziehung (engaging) die Voraussetzung einer Abklärung der Behandlungsziele (focusing), aber keinesfalls abgeschlossen, wenn die Ziele definiert wurden (focusing), die Motivation des Patienten geweckt (evoking) und die Verhaltensänderung vorbereitet wurde (planning).

 

Ten Meter Tower: Ein Film über Ambivalenz (via New York Times)